Elterngeld und Progressionsvorbehalt: wie viel Steuer nachzahlen?
Steuerfrei heißt nicht folgenlos: So wirkt das Elterngeld auf Ihren Steuersatz – mit Beispielen und Tipps, wie Sie die Nachzahlung im Griff behalten.
Progressionsvorbehalt beim Elterngeld einfach erklärt
Elterngeld ist steuerfrei (§ 3 Nr. 67 EStG) – Sie zahlen also keine Steuer auf das Elterngeld selbst. Es wird aber für die Berechnung des Steuersatzes herangezogen (§ 32b EStG). Das Finanzamt tut so, als hätten Sie das Elterngeld zusätzlich verdient, ermittelt den dazu passenden Durchschnittssteuersatz und wendet diesen auf Ihr übriges, steuerpflichtiges Einkommen an. Ergebnis: höhere Steuer auf Gehalt und Partnereinkommen – und häufig eine Nachzahlung.
Rechenweg in drei Schritten
Zu versteuerndes Einkommen (zvE) ohne Elterngeld ermitteln.
Elterngeld des Jahres hinzurechnen und den Durchschnittssteuersatz für diese Summe bestimmen („besonderer Steuersatz“).
Diesen Satz auf das zvE ohne Elterngeld anwenden. Die Differenz zur normalen Steuer ist die Mehrsteuer.
Wie hoch ist die Nachzahlung? Beispiele
Brutto Elternteil / Partner
Elterngeld im Jahr
zvE (geschätzt)
Steuersatz ohne → mit
Mehrsteuer
2.500 € / 2.500 €
6 × 1.107 €
33.475 €
4,7 % → 7,9 %
1.065 €
3.500 € / 3.500 €
6 × 1.477 €
48.151 €
10,8 % → 13,3 %
1.202 €
3.500 € / 3.500 €
12 × 1.477 €
32.523 €
4,2 % → 11,5 %
2.358 €
5.000 € / 3.000 €
8 × 1.800 €
42.520 €
8,9 % → 13,3 %
1.887 €
5.000 € / 5.000 €
6 × 1.800 €
69.873 €
16,2 % → 18,1 %
1.373 €
6.000 € / 6.000 €
12 × 1.800 €
56.888 €
13,3 % → 17,8 %
2.541 €
MODELLZusammenveranlagung, Einkommensteuertarif 2026, zvE grob geschätzt aus Bruttolöhnen minus Arbeitnehmer-Pauschbetrag, Sonderausgaben-Pauschbetrag und Vorsorgeaufwendungen; ohne Soli und Kirchensteuer. Tatsächliche Werte hängen von Werbungskosten, Kinderfreibeträgen und weiteren Einkünften ab.
Eigenes Elterngeld berechnenBrutto, Steuerklasse, Kirchensteuer, Geschwisterbonus und Mehrlinge eingeben – der Elterngeldrechner zeigt Elterngeldnetto, Basiselterngeld und ElterngeldPlus sofort.
Wer im Kalenderjahr mehr als 410 € Lohnersatzleistungen wie Elterngeld erhalten hat, muss eine Einkommensteuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Ohne Steuerberater ist die Frist der 31. Juli des Folgejahres. Die Elterngeldstelle meldet die Zahlungen elektronisch ans Finanzamt; in der Erklärung gehört das Elterngeld in die Anlage N (Zeile Elterngeld). Auch Mutterschaftsgeld und der Arbeitgeberzuschuss unterliegen übrigens dem Progressionsvorbehalt.
5 Tipps gegen die Steuerfalle
Rücklage bilden: 10 bis 20 % des Elterngelds beiseitelegen – im Zweifel mit dem Beispiel oben oder einem Steuerrechner schätzen.
Bezug auf zwei Kalenderjahre verteilen: Bei Geburt im Sommer fällt das Elterngeld automatisch in zwei Steuerjahre – das senkt den Effekt pro Jahr.
Einzelveranlagung prüfen: In seltenen Fällen ist sie günstiger als die Zusammenveranlagung; Steuersoftware vergleicht beides.
Werbungskosten bündeln: Ausgaben wie Fortbildungen oder Arbeitsmittel in das Jahr mit dem Elterngeld legen – sie senken das zvE beim höheren Satz.
Steuerklasse nach dem Bezugszeitraum zurückwechseln: III/V ist für das Elterngeld günstig, kann aber im Bezugsjahr zu Nachzahlungen führen. Ggf. IV/IV mit Faktor wählen.
Der Progressionsvorbehalt führt nie dazu, dass Sie wegen des Elterngelds insgesamt weniger Geld haben als ohne – er schmälert nur den Vorteil. Wer allein lebt und außer Elterngeld kein steuerpflichtiges Einkommen hat, zahlt gar keine Steuer.
Ausblick – Elterngeldreform geplant: Ein Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums ist seit 28.10.2026 in der Ressortabstimmung; das Kabinett soll im November 2026 beraten. Diskutiert werden u. a. ein Mindestbetrag von 330 € und ein Höchstbetrag von 1.900 € (heute 300 € / 1.800 €), eine höhere Ersatzrate in den ersten Monaten und eine neue Aufteilung der Monate zwischen den Eltern. Frühere Berichte nannten einen Start im November 2027. Das ist noch kein geltendes Recht – alle Zahlen auf dieser Seite beruhen auf dem aktuell gültigen BEEG.
Nein, Elterngeld ist steuerfrei. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt: Es erhöht den Steuersatz auf das übrige zu versteuernde Einkommen.
Wie hoch ist die Steuernachzahlung durch Elterngeld?
Das hängt vom übrigen Einkommen ab. Im Beispiel eines Ehepaars mit je 3.500 € brutto und 6 Monaten Elterngeld sind es rund 1.202 €. Als Faustregel reichen 10 bis 20 % des Elterngelds als Rücklage meist aus.
Muss ich wegen Elterngeld eine Steuererklärung machen?
Ja, wenn Sie im Kalenderjahr mehr als 410 € Elterngeld oder andere Lohnersatzleistungen erhalten haben.
Wo trage ich Elterngeld in der Steuererklärung ein?
In der Anlage N bei den Lohnersatzleistungen. Die Elterngeldstelle übermittelt die Beträge zusätzlich elektronisch an das Finanzamt.
Wie kann ich den Progressionsvorbehalt verringern?
Indem Sie den Bezug auf zwei Kalenderjahre verteilen, Werbungskosten im Bezugsjahr bündeln und die Veranlagungsart prüfen. Eine Rücklage verhindert, dass die Nachzahlung überrascht.